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Nachhaltigkeit

Ist Ökotourismus wirklich nachhaltig

Es lässt sich mit vielen Beispielen belegen, dass das Etikett "ökologisch" oftmals für Waren, Güter und Dienstleistungen verwendet wird, die bei einer genauen Betrachtung nicht viel mit Nachhaltigkeit zu tun haben. So ist es auch mit dem Ökotourismus: Ursprünglich wurde dieser Begriff für einen umweltfreundlichen, kulturell rücksichtsvollen und ökonomisch fairen Tourismus verwendet. Im englischsprachigen und später auch im spanischsprachigen Raum hat sich jedoch schon früh die Verwendung des Begriffes für alle touristischen Aktivitäten etabliert, die in der Natur stattfinden, ohne dass damit unbedingt ein nachhaltiger Zweck verbunden ist. Mittlerweile hat die Tourismusindustrie auf internationaler Ebene diese Kategorisierung übernommen.

Wal-Tourismus wird zum Beispiel als "Rettungsanker" für die vom Aussterben bedrohten Meeressäuger verkauft, und als Argument für Reisen nach Tobago wird behauptet, Touristen könnten durch ihre schützende Anwesenheit verhindern, dass gefräßige Seevögel sich auf den schlüpfenden Nachwuchs der Green Sea Turtles stürzen, die ebenfalls auf der Liste der bedrohten Tierarten stehen. Urlaubern wird somit ein gutes Gewissen eingeimpft, und es ist schließlich viel leichter, sich dieses durch die Buchung einer Reise zu verschaffen, als das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen.

Die in Madrid ansässige Welttourismus-Organisation (WTO) definiert Ökotourismus als eine Form des Tourismus, bei der das Hauptmotiv des Reisenden in der Beobachtung und im Genuss der Natur besteht. Dagegen versteht das Worldwatch Institute in Washington darunter ein verantwortliches Reisen in Naturgebiete, das die Umwelt schützt und den Wohlstand der Einheimischen mehrt. Der Ökotourismus-Markt boomt und viele wollen an dem Wachstumsmarkt teilhaben, doch tragen Reisen an Orte mit zerbrechlichen Ökosystemen nicht automatisch zu deren Schutz bei.

Immerhin: Es gibt auch zahlreiche Beispiele wie den Nationalpark von Ankarafantsika im Norden von Madagaskar, der erst durch Ökotourismus ermöglicht wurde. Hier sind Jobs für ehemals verarmte Reisbauern entstanden, für die das Waldgebiet früher eine wichtige Quelle für Brennholz war. Hier hat der Tourismus die Rettung für das heutige Schutzgebiet mit vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten gebracht. Ein einheitliches Gütesiegel für nachhaltigen Tourismus gibt es indes noch nicht, und so kommen Urlauber nicht umhin, sich selbst zu informieren. Ein gutes Gewissen kann man nämlich nicht einfach so buchen.

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