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Status

Armut wird falsch dargestellt

Besonders in Wahlkampfzeiten steht es Parteien gut zu Gesicht, wenn sie sich damit rühmen, etwas gegen die wachsende Armut in der Bevölkerung unternehmen zu wollen. Nüchtern betrachtet, hat die Armut in Deutschland in den letzten Jahren jedoch abgenommen, auch wenn uns manche Schlagzeilen etwas anderes suggerieren.

Statistiker kennen drei Verfahren, um die Armut zu messen, wobei die verschiedenen Methoden durchaus kritisch zu betrachten sind. Seit den 1980er Jahren gelten in der EU Richtlinien zur Erhebung der "relativen Armut". Demnach gilt als "streng arm", wer über weniger als 40 Prozent des mittleren Einkommens in einem Land verfügt; mit weniger als 50 Prozent gilt man als arm und mit weniger als 60 Prozent als armutsgefährdet. Aktuelle Studien beziehen sich oftmals nur auf die obere dieser Grenzen, doch in den Pressemeldungen wird das Wort "armutsgefährdet" häufig durch "arm" ersetzt.

In Deutschland ist man nach dieser Berechnungsmethode als Alleinstehender von Armut bedroht, wenn man weniger als 1.000 ? monatlich zur Verfügung hat, was einem Arbeitslohn von etwa 1.400 ? brutto entspricht, für Familien und Kinder gelten andere Werte. Betroffen sind davon zwischen elf und dreizehn Millionen Bundesbürger, doch hat ihre Zahl in den letzten Jahren nicht zugenommen, sondern befindet sich seit 2005 auf einem gleichbleibenden Niveau. Kritiker dieser Erhebungsmethode bemängeln, dass es dabei auch nicht um Armut, sondern Ungleichheit gehe.

Bei dem Versuch, absolute Armut zu messen, wurden in der EU Bürger dazu befragt, ob sie sich bestimmte Dinge leisten können. Doch wenn man den Ergebnissen solcher Umfragen Glauben schenkt, stehen die Spanier besser dar als die Deutschen. Eines stellt diese Messmethode dennoch dar: eine Zunahme der Armut in den vergangenen Jahren lässt sich in der BRD nicht feststellen. Bei der dritten Möglichkeit erfasst das statistische Bundesamt, wie viele Menschen auf Hilfe vom Staat zur Sicherung ihrer Existenz angewiesen sind, und diese Zahlen werden immerhin von den Behörden geprüft. Die Bilanz zeigt, dass seit 2006 die Zahl der Bedürftigen laufend abgenommen hat.

Einigkeit herrscht unter den Experten lediglich bei den Ursachen für Armut. Besonders gefährdet sind Menschen demnach bei länger andauernder Arbeitslosigkeit, wenn die Familie zerfällt oder wenn sie als Ausländer nach Deutschland kommen. Hier gilt es also, anzusetzen, wenn man Armut wirklich bekämpfen will. Denn moralisch gesehen, muss dies das oberste Gebot sein - selbst wenn es nur eine geringe Zahl von Menschen in der Bundesrepublik gibt, die darauf angewiesen ist, zu betteln oder in Mülleimern nach Pfandflaschen zu suchen.

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