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Radioaktive Belastung von Lebensmittel

Radioaktive Belastung von Lebensmittel

Vor 25 Jahren - am 26. April 1986, ereignete sich der Reaktorunfall im Atomkraftwerk in Tschernobyl. Seit dieser Zeit wissen wir, dass wir in einer Welt leben und dass Radioaktivität keine Grenzen kennt. Während wir Menschen in Deutschland die erste Frühlingssonne scheinbar unbeschwert im Freien genossen, hatte der anhaltende Wind die gefährlichen radioaktiven Strahlen längst zu uns getragen.

Das Umweltinstitut München e.V. beobachtet seither den Verlauf der radioaktiven Belastung von Lebensmitteln insbesondere im durch den GAU von Tschernobyl stärker belastenden Süden Deutschlands. Während unmittelbar nach dem GAU von Tschernobyl die Belastung von Milch, Milchprodukten und Frischprodukten wie Obst, Gemüse und Salate eine wichtige Rolle gespielt hat, konzentrierte sich im Laufe der Jahrzehnte die Aufmerksamkeit auf die immer noch kontaminierten Produkte des Waldes. In den hoch belasteten Gebieten Südbayerns und auch in Baden Württemberg ist die ?radioaktive Belastung durch Tschernobyl? auch noch heute jedes Jahr zur Pilzsaison im Bewusstsein der Menschen lebendig. Zu Recht denn die radioaktive Belastung hält immer noch an.

Im Jahre 2002 wurde bei einem heimischen Pilz, dem Maronenröhrlingen der Spitzenwert an Cäsium bei Pilzen gemessen, er lag bei 1.700 Bq/kg. Der Spitzenwert bei Schwarzwild lag sogar 1999 bei 65.000 Bq/kg. Nur jedes dritte untersuchte Tier wies überhaupt eine Belastung unter dem festgelegten Grenzwert auf, bei Rehen war etwa jedes fünfte Tier mit über 600 Bq/kg Cäsium belastet. Die Belastung im Fleisch der Rehe stagniert seit 1996, während der Gehalt im Fleisch von Wildschweinen weiterhin leicht ansteigt. Das liegt daran, dass die Tiere eine unterschiedliche Art der Nahrungssuche haben. Bei den Wildbeeren sind vor allem Heidelbeeren, Preiselbeeren und Moosbeeren höher belastet.
Die radioaktive Belastung des Waldbodens nahm in den ersten Jahren nach Tschernobyl auch noch stetig zu, weil erst nach und nach die in den Baumkronen ausgefilterte Radioaktivität eingetragen wurde. Die Gesamtsituation der bestehenden Belastung wird sich auch in den kommenden Jahren nicht wesentlich ändern
So hoch belastete Pilze oder belastetes Wild, wie es in Süddeutschland jährlich gesammelt, geschossen und verzehrt wurde, hätten nach EU - Bestimmungen gar nicht eingeführt werden können. Um unnötige Belastungen in den stark kontaminierten Gebieten zu vermeiden, sind in Deutschland zumindest mit Jagdverbänden in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Vereinbarungen abgeschlossen worden, die die Jäger anhalten, erlegte Tiere auszumessen. Bei Überschreitung des Grenzwerts erhalten sie eine Entschädigung. Für die kleinen Jäger und auch für die unzähligen privaten Pilzliebhaber und Pilzsucher gibt es nichts. Messstellen, an die man sich unbürokratisch und ohne hohe Kosten wenden könnte, sind äußerst rar.

Quelle: Karin Wurzbacher - Umweltinstitut München e.V


 

2011-3-15

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