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Nachhaltigkeit

Wende in der Chemieproduktion

In der chemischen Industrie machen Erdöl, Erdgas und Kohle knapp 90 Prozent der eingesetzten Primärrohstoffe aus. Doch die fossilen Rohstoffe werden knapp. Als Alternative kommen chemische Stoffe in Frage, die auf der Basis von pflanzlichen und mineralischen Rohstoffe produziert werden. Diese Bio-Chemikalien haben bislang einen nur geringen Anteil am Weltmarkt, der bei rund vier Prozent liegt. Doch das wird sich bald ändern, glaubt der Dr. H. Fischer, Gründer und Inhaber von Auro, einem Braunschweiger Pflanzenchemie-Unternehmen. Seine Chemiefabrik kommt bei der Produktion völlig ohne Erdöl aus.

Fischer geht davon aus, dass der Anteil biogener Rohstoffe in der Chemie in den nächsten Jahrzehnten stark zunehmen wird. Das sind in erster Linie Öle, Fette, Wachse, Zucker, Stärke sowie Farb- und Duftstoffe pflanzlicher Herkunft. Der Chemieindustrie steht laut Fischer eine ähnliche Wende wie der Energiewirtschaft bevor. Rund die Hälfte der fossilen Rohstoffe werde bis zum Jahr 2040 durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. Und die Chemie werde am Ende des 21. Jahrhunderts weitgehend solar basiert sein, glaubt Fischer.

Betrachtet man die Pflanzenwelt mit den Augen eines Biochemikers, so handelt es sich bei ihr um ökologisch eine angepasste, effiziente und abfallfrei arbeitende Chemiefabrik. Pflanzen erbringen eine gigantische Syntheseleistung: Aus Rohmaterialien wie Wasser und Kohlenstoffdioxid stellen sie komplexe Kohlenstoffverbindungen her, spenden Sauerstoff und decken ihren gesamten Energiebedarf durch die Sonneneinstrahlung. Dagegen ist für die aufwändige Funktionalisierung des chemisch trägen Erdöls der Einsatz von Chemikalien wie Ozon oder Chlor erforderlich. Außerdem entstehen bei der Verarbeitung von Erdöl zahlreiche Abfall- und Nebenprodukte.

Mit der Chemiewende, so glaubt Fischer, werden sich die Strukturen der Chemiebranche stark ändern. Viele kleine, lokale Produktionen werden entstehen, die sich dort befinden, wo die Pflanzen wachsen. Auf diese Weise werden Transportkosten gespart und die Umwelt geschont. Allerdings wird die Entwicklung dieses Prozesses mehrere Jahrzehnte dauern. Das hat unter anderem den Grund, dass die Investitionen in große Anlagen sich erst nach vielen Jahren amortisieren. In der Chemieindustrie bedarf es also einer neuen Gründerkultur.

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